Schamlatzhose

Aus LKL Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

In diesem Artikel dreht sich alles um die Umsetzung der Fundbeschreibung der Alpirsbacher Hose. Eine sehr umfangreiche Anleitung zum Herstellen einer solchen Hose wurde von Mitgliedern der Lapping Rotte erstellt und ist hier zu finden: http://liverollenspiel.ch/wordpress/wp-content/uploads/2014/08/hose01.pdf. Welche Schlitze in Hosen gut funktionieren, kann im Artikel Schlitze nachgelesen werden.
Nachfolgend werden weitergehende Tipps und Tricks angeführt.


Der Schritt

Eine der wichtigsten Stellen der Hose ist der Schritt. Sitzt dort die Hose nicht richtig, weist sie nicht die notwendige Bewegungsfreiheit auf und reißt in Folge leichter (vor allem beim Tanzen). Wie man in der Schnittzeichnung der Alpirsbacher Hose sehen kann, besteht die Hose aus 2 Beinröhren und dem Schamlatz, der zwischen die Beinröhren eingenäht wird und vom Hintern aus den Damm bis vorne über das Geschlecht überspannt. Der Schamlatz ist also gleichzeitig auch ein Keil, der den notwendigen Platz zwischen den Beinröhren schafft. Sehr wichtig ist dabei, dass die Nähte zwischen Beinröhren und Schamlatz sehr eng am Körper, sprich sehr eng am Damm anliegen.

Hosen Schnittmuster Umsetzung Dammlinie.png
Im nebenstehenden Bild ist eine der Beinröhren farbig hervorgehoben. Die grünen Linien kennzeichnen die Außenlinien der Röhre, die grün gepunktete Linie stellt die Naht an der Hinterseite des Beines dar und die rote Linie schließlich ergibt mit dem Schamlatz eine der vorhin angesprochenen Nähte die am Damm anliegen müssen. Bei den Anproben muss diese Linie sehr eng anliegen und deutlich spürbar sein. Liegt sie nur an der Innenseite des Oberschenkels an, ist sie zu tief.


Hosen fehlerhafterSchamlatz.png
Im rechten Bild sieht man den vorhin beschriebenen Fehler, in dem die rote Linie nur am Oberschenkel und damit zu tief anliegt. Der Schamlatz überspannt nun nicht nur den Damm, sondern liegt tiefer und spannt sofort, wenn man die Beine spreizt, einen Ausfallschritt macht o.ä. Links sieht man, wie es aussehen sollte, wenn die Beinröhren korrekt zugeschnitten sind, in diesem Fall überspannt der Schamlatz ausschließlich den Damm und es ist theoretisch möglich, einen Spagat zu vollführen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es ratsam, den Ausschnitt für den Schritt zu Beginn eher klein zu halten und sich erst mit den Anproben dem finalen Schnitt anzunähern.

Die Anproben

Essentiell wichtig für die Herstellung von Hosen sind mehrere Anproben. Ein grobes Schnittmuster kann mit irgendeinem Probestoff erstellt werden, es ist aber fast immer notwendig, auch mit dem endgültigen Stoff mehrmals die Form der Hosen abzustecken. Viele geeignete Wollstoffe leiern allerdings gerne bei diesen Anproben aus, in der weiteren Folge steckt man den Stoff immer enger ab und erreicht am Ende die Grenze seiner Beweglichkeit. Um dies zu verhindern, kann man von Anfang an einen Streifen stabilen Stoff (Leinen, Seide) an den Bund der Hose nähen. So wird bei der Anprobe nur der stabile Stoff gespannt, nicht die Wolle. Es bietet sich an, diesen Streifen von Beginn auf der richtigen Höhe anzunähen, so kann er dort belassen werden. Auf folgendem Bild sieht man im Hintergrund einen Streifen hellgrüne Seide unter dem dunkelgrünen Bund hervorlugen, das ist solch ein Streifen der in der Phase der Anproben angenäht wurde: Medium:HoseWams-Haken Verschluss Mitte.jpg
Will man mit der Hose eine Taille formen, also die Hose enger nähen als den eigenen Bauchumfang, bietet es sich für die Anproben an, sich mit einem stabilen Stoffgürtel (Koppel o.ä.) direkt unter dem tiefsten Rippenbogen die gewünschte Taille auszuformen. An diesen Gürtel kann dann die Hose bei den Anproben festgesteckt werden, was ein besseres Arbeiten ermöglicht.

Nahtverlauf an den Beinen

Sehr wichtig für die volle Dehnbarkeit des Stoffes ist ein perfekt vertikal verlaufender Nahtverlauf an der Hinterseite der Beine. Man beachte dazu die Tipps zu den Anproben und lässt sich die Hosenbeine während einer der Anproben exakt abstecken. Achtung: spart man beim Zuschnitt der Hose zu viel Stoff an den Seiten ein, kann es sein, dass ein vertikaler Verlauf nicht mehr möglich ist. Es spart viel Kummer, wenn man den endgültigen Stoff nicht zu genau zuschneidet. Dabei ist der Bereich ab dem Knie abwärts der wohl kritischste. Die Unterschenkelmuskulatur kann sehr ungleichmäßig verteilt sein, daher ist es auch sehr unwahrscheinlich, dass der Ausschnitt für die Füße exakt mittig unter dem Knie liegt. Diesen Ausschnitt unbedingt erst bei den Anproben einzeichnen / ausschneiden!

Einschnitt am Knie / kurze Hose

HL31318a.jpg
Um eine höhere Beweglichkeit zu erreichen, können die Hosenbeine auf Höhe des Knies eingeschnitten werden. Dazu sucht man bei einer Anprobe die Mitte der Kniescheibe und schneidet von dort ausgehend horizontal nach rechts und links hinten. Ruhig erstmal wenig einschneiden und überprüfen ob der Schnitt reicht damit das Knie beim Abknicken komplett aus der Hose herausragt. Ist das nicht der Fall, kann noch weiter eingeschnitten werden. Die Hälfte des Hosenbeinumfangs an der Höhe des Knies kann auf jeden Fall eingeschnitten werden.

Der Schnitt kann mit geschlitzten Bändern kaschiert werden, so wie man sie in der Abbildung rechts sehen kann. Steht man aufrecht, überlappen die Bänder den Schlitz, knickt man das Bein ab, wird das Knie sichtbar.

Noch mehr Beweglichkeit erhält man durch das komplette Abschneiden der Hosenbeine oberhalb des Knies (unterhalb bringt weit weniger!).


Links